Lithium - das vergessene Spurenelement für ein starkes Gehirn

01.01.26 12:00 AM Von Redaktion

Lithium hat ein ungewöhnliches Image: Für die einen ist es ein starkes Psychopharmakon, für andere ein kaum beachtetes Spurenelement. Tatsächlich treffen beide Perspektiven zu – und genau darin liegt seine besondere Bedeutung für die moderne Gehirn- und Präventionsforschung. In niedrigen, natürlichen Mengen könnte Lithium ein bislang unterschätzter Baustein für Neuroregeneration, kognitive Stabilität und Schutz vor Demenz sein.

Bereits vor einigen Jahren hat Dr. Klaus Mohr in reformleben auf diesen Zusammenhang hingewiesen. In seinem Beitrag „Regeneration von Nervenzellen ist möglich!“ (Ausgabe Nr. 28, Sept./Okt. 2019) ordnete er Lithium in ein größeres biologisches Gesamtkonzept ein – eines, das heute aktueller ist denn je.

Nervenzellen: Verlust oder Erneuerung?

Lange Zeit galt in der Medizin ein Dogma: Einmal verlorene Nervenzellen seien unwiederbringlich verloren. Diese Annahme wurde Ende der 1990er-Jahre grundlegend erschüttert. Forschungen zeigten, dass im erwachsenen menschlichen Gehirn – insbesondere im Hippocampus – weiterhin neue Nervenzellen entstehen können. Genau dieser Hirnbereich ist zentral für Gedächtnis, Lernen, Emotionen und Stressverarbeitung.

Dr. Mohr betonte damals, dass diese Erkenntnis zwar revolutionär sei, aber in Prävention und Therapie kaum Konsequenzen nach sich gezogen habe. Dabei eröffne sie eine entscheidende Perspektive: Demenz und kognitiver Abbau sind nicht zwangsläufig irreversible Prozesse, sondern stehen im Spannungsfeld zwischen Abbau und Regeneration.

Neurogenese braucht die richtigen Bedingungen

In seinem Beitrag machte Dr. Mohr deutlich, dass die Neubildung und Regeneration von Nervenzellen kein Zufallsprozess ist. Sie wird begünstigt durch:

  • körperliche und geistige Aktivität, 
  • Gelassenheit und Entspannung, 
  • eine optimale Versorgung mit Bau- und Funktionsstoffen für Nervenzellen.

Demenz lasse sich nicht durch ein einzelnes „Wundermittel“ verhindern, so Mohr, sondern nur durch ein integrales, möglichst natürliches Gesamtkonzept. Genau in diesem Kontext taucht Lithium als ein potenziell wichtiger, bisher wenig beachteter Faktor auf.

Lithium und Neuroregeneration

Am Ende seines Beitrags wies Dr. Mohr auf einen Aspekt hin, der damals wie heute besondere Aufmerksamkeit verdient: Es gibt Hinweise darauf, dass niedrig dosiertes Lithium (im Bereich weniger Milligramm pro Tag) zur Schutz- und Regenerationsfähigkeit von Nervenzellen beitragen kann .

Diese Annahme stützt sich auf mehrere Beobachtungen:

  • In der medikamentösen Lithiumtherapie (bei hohen Dosierungen) wurden in bildgebenden Verfahren Zunahmen der Hirnsubstanz festgestellt – ein indirekter Hinweis auf Neurogenese. 
  • Experimentelle und klinische Studien zeigen, dass Lithium die Bildung von neurotrophen Faktoren wie BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) und Neurotrophin-3 anregen kann – beides entscheidende Signalstoffe für neuronales Wachstum und Reparatur. 
  • Epidemiologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass Regionen mit höherem natürlichem Lithiumgehalt im Trinkwasser mit besseren kognitiven Leistungen und niedrigeren Demenzraten im Alter assoziiert sind.

Wichtig ist dabei die klare Differenzierung: Es geht nicht um therapeutische Hochdosen, sondern um mikronährstoffliche Mengen, wie sie natürlicherweise über Wasser und Nahrung aufgenommen werden können.

Spurenelement statt Medikament

Dr. Mohr betonte bereits 2019, dass Lithium offiziell nicht als essenzielles Spurenelement gilt und es daher keine verbindlichen Zufuhrempfehlungen gibt. Gleichzeitig sei Lithium in der Erdkruste sehr ungleich verteilt – in manchen Regionen nehmen Menschen kaum messbare Mengen auf . Genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Ein Stoff ohne offiziell anerkannten Bedarf, der dennoch in zahlreichen Studien mit Langlebigkeit, kognitiver Stabilität und emotionaler Ausgeglichenheit in Verbindung gebracht wird. Mohr wies zugleich ausdrücklich darauf hin, dass auch niedrig dosiertes Lithium nicht unkontrolliert eingesetzt werden sollte. Selbst wenn toxische Konzentrationen bei diesen Mengen unwahrscheinlich sind, bleibt ein verantwortungsvoller, informierter Umgang entscheidend.

Lithium im Gesamtbild der Gehirnprävention

Besonders bemerkenswert ist, wie gut Lithium in das von Dr. Mohr beschriebene Gesamtkonzept passt. Neuroregeneration entsteht nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von:

  • metabolischer Stabilität (z. B. kohlenhydratreduzierte Ernährung, Ketone als Energiequelle), 
  • ausreichender Versorgung mit Omega3-Fettsäuren, 
  • Aminosäuren als Baustoffe, 
  • sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung, 
  • und eben auch Spurenelementen, die neuronale Signalwege modulieren.

Lithium wirkt dabei nicht als Stimulans, sondern als biologischer Modulator, der Schutz-, Reparatur- und Anpassungsprozesse im Gehirn unterstützen kann.

Fazit: Ein kleines Element mit großer Bedeutung

Lithium steht exemplarisch für den Paradigmenwechsel in der Gehirn- und Demenzforschung. Es zeigt, dass kognitive Gesundheit nicht allein von Genen oder dem Lebensalter abhängt, sondern von fein regulierten biochemischen Prozessen, die über Jahrzehnte wirken. Der Hinweis von Dr. Mohr aus dem Jahr 2019 erweist sich rückblickend als bemerkenswert vorausschauend: Regeneration von Nervenzellen ist möglich – wenn die biologischen Voraussetzungen stimmen. Lithium könnte dabei ein bislang unterschätzter Teil dieses Puzzles sein: unscheinbar, niedrig dosiert, aber potenziell bedeutsam für ein starkes, resilientes Gehirn bis ins hohe Alter.

Erschienen in:

Reformleben Magazin

Ausgabe Nr. 66 (Jan./Feb. 2026)

Ein starkes Gehirn kennt kein Alter

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